Durch den technologischen Fortschritt veränderten sich auch die Erwartungshaltungen der Lernenden. Unternehmen müssen sich neue und effektive Wege überlegen, um ihren Mitarbeitenden Lerninhalte zu vermitteln.
Wie unterstützt man den Lernprozess der Mitarbeiter:innen? Was sind die vier Erwartungshaltungen der Lernenden? Und wie kann man diese praktisch umsetzen?

Prinzip 1: Don’t make me wait for it

Lernende wollen schnellstmöglich - im "moment of need" - den passenden Lerninhalt zur Verfügung haben.
Durch neue Innovationen des Netzwerkzeitalters ist es möglich relevanten Content in Sekundenschnelle abzurufen. Kurze Lern-Videos, die asynchron zugänglich sind, bieten eine effiziente Lösung, um sich das nötige Wissen zu beschaffen. In Zukunft wird in Teams dabei die Rolle des "Content Curators" immer wichtiger. Denn Wissen gibt es wie Sand am Meer, relevantes Wissen muss jedoch durch erfahrene Personen im Team gesichtet und für die Kolleg:innen entsprechend aufbereitet werden. Wer ist der Content Curator in ihrem Team?

Eine weitere Möglichkeit ist die Idee von Hackathons zu nutzen. Bei einem Hackathon kommen viele Expert:innen zusammen und feilen kollektiv an einer Lösung für ein konkretes Problem. Unternehmen können sich das Prinzip zu nutze machen und Mitarbeitende verschiedener Abteilungen für einen gewissen Zeitraum freistellen, um an einem wertschöpfungsrelevanten Problem der Organisation zu arbeiten. Synergie Effekte, die dadurch entstehen, verstärken den Lernprozess.

Zuästzlich könnte die bei Sebastian Pflügler Consulting entstandene Idee von Weiterbildungstickets helfen. Ähnlich wie bei Tickets an die IT, die bei Software- und Hardwareproblemen von Nutzer:innen erstellt werden, könnten Mitarbeiter:innen Weiterbildungstickets erstellen, wenn sie einen Kompetenzbedarf erkannt haben und sich nun von der Personalentwicklungsabteilung Unterstützung wünschen.
Die entsprechende Abteilung kann eine Liste erstellen mit passenden Podcasts, Videos, Büchern oder Termine mit entsprechenden Trainern oder Coaches koordinieren.

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Prinzip 2: Don’t make me work hard for it

Mit Spaß und Spiel fällt das Lernen leichter. Die Erinnerungsleistung unseres Gehirns wird dadurch erhöht und neu gelerntes kann leichter abgespeichert werden. Warum nicht gemeinsame Mahlzeiten mit Lernen kombinieren? Lunch & Learn oder Dine & Learn Events fördern das Wir-Gefühl der Mitarbeiter:innen und zeichnen sich durch eine entspannte Umgebung aus, in denen Lernen leichter fällt.

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Foto © Mike Meyers auf Unsplash

Angeheizt von Ranglisten, seltenen Gegenstände, die man freischalten kann oder ähnliches verbringen Menschen viel Zeit mit Videospielen. Wenn man etwas neues freigeschaltet hat wird Dopamin ausgeschüttet und das spornt zu weiterer Aktivität an. Dieses transaktionale Phänomen, also Zeit im Austausch gegen Belohnungen, kann genutzt werden um Mitarbeiter:innen das Lernen näher zu bringen. Ziele werden ex ante mit den Lernbegleiter:innen festgelegt. Bei erreichen eines Meilensteins wird bspw. ein neues Abzeichen freigeschaltet oder man darf einen digitalen Badge in die eigene Signatur aufnehmen. Diese game-basierten Nudges, also kleine Motivationsschübe, sind Belohnungen, die zum Ziel haben die Lernenden weiter anzuspornen, sodass sie sich auch im stressigen Büroalltag Zeit für das Lernen nehmen.
Das Veranstalten von spielerisch gestalteten Lern-events wie z.B. durch themenbasierte und eigens entwickelte Brettspiele, schweißt Mitarbeiter:innen zusammen und hilft Ihnen das vermittelte Wissen besser zu verarbeiten. Das neu Gelernte kann so spielerisch in Gruppenübungen simuliert werden.

Prinzip 3: Don’t make me ask for it

Lernenden ist oftmals gar nicht bewusst, was sie nicht wissen. Das Phänomen nennt sich unbewusste Inkompetenz. Deswegen macht es Sinn Lernenden - oft schon bevor sie gefragt haben - den passenden Lerninhalt zur Verfügung zu stellen. Auf KI basierte semantische Netze können Abhilfe schaffen. Die bisherigen Lernerfolge werden von einer KI ausgewertet. Basierend auf diesen Daten werden dann neue Inhalte auf einer individuellen Learning-Experience-Plattform zur Verfügung gestellt. Flexibel, von überall leicht zugänglich können Mitarbeiter:innen den leicht verdaulichen Content ansehen und vertiefen. Zusammenhängender Lernstoff, der sehr umfänglich ist, kann in Kursen zusammengefasst werden. Um Lernerfolge nachverfolgen zu können, werden abgeschlossene Lerneinheiten auf der Plattform festgehalten.

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Prinzip 4: Don’t make me do it alone

Neues Lernen ist soziales lernen. In der Zukunft wird lernen in Gemeinschaften immer wichtiger. Wie können Organisationen Lernprozesse effektiv kollektiv gestalten?
Learning Circles sind schon bei Studenten sehr beliebt. Mehrere Personen, welche die selben Lernveranstaltungen besuchen kommen zusammen und unterstützen sich gegenseitig beim Erlernen der Inhalte. Mitarbeiter:innen, die bspw. die gleiche Fortbildung besucht haben, können sich virtuell oder in persona verabreden und das Gelernte vertiefen. Alternativ kann man das Gelernte im Metaverse mittels Virtual Reality praktisch üben.
Soziales Lernen bedeutet auch "Lernen für alle" ermöglichen. Damit Bildung allen im gleichen Umfang zugänglich ist, müssen Unternehmen auf Neurodiversitäten achten und den übermittelten Content dementsprechend anpassen.

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Foto © Randy Fath auf Unsplash


Beherzigt man die vier Prinzipien, wird der Lernprozess vom Lernenden als sinnvoll erachtet. Der dadurch generierte Lernerfolg kann effektiv genutzt werden, um nachhaltig den kollektiven Wertschöpfungsprozess positiv zu beeinflussen, was den Return on Education sehr positiv beeinflusst.